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Das Zepter selbst in die Hand nehmen

Sorgenfalten mögen die Schlagzeilen hervorrufen, die man in den letzten zwölf Monaten aus dem M&A-Geschäft vernommen hat... Doch wie verhält es sich in der Druckbranche? Darüber sprechen wir mit Jens Freyler, Geschäftsführer M&A der KNOX GmbH.

 

Beyond-print: Herr Freyler, der Druckmarkt ist kein leichter, immer wieder hört man von Verkäufen von Unternehmen, aber auch von Aufgaben und Insolvenzen. Was hat sich dort in letzter Zeit getan?

JF: Die Aufgabe eines Unternehmens oder gar die Insolvenz ist natürlich immer die schlechteste Lösung und ich glaube in vielen Fällen könnte sie vermieden werden, wenn man sich rechtzeitig dem Thema stellt. Vielleicht auch durch einen Verkauf, denn jedes Unternehmen hat Kunden, Aufträge, Mitarbeiter, Know-How und – leider muss man diese heutzutage an letzter Stelle nennen – auch Maschinen, die für andere Marktteilnehmer interessant sein können. Nichtsdestotrotz gab es natürlich auch im letzten Jahr Insolvenzen, während man fast schon etwas weiter zurück blicken muss, wenn man eine Häufung von M&A-Transaktionen sehen will.

Beyond-print: Was heißt weiter zurück?

JF: Das kommt natürlich darauf an. Sprechen wir über Akzidenz oder Beilagendruck, so hat die britische Walstead Group in 2018 die österreichische NP Druck und die polnischen LSC-Standorte übernommen und eine Fortsetzung der Akquisitionsstrategie auch für 2019 angekündigt, wovon wir aber wenig gesehen haben. Auch die Akquisition von Jungfer Druck durch die holländische Druckkerij Em de Jong war schon in 2018. Reden wir über Onlinedruckereien, so haben wir natürlich alle die Akquisition von Wir machen Druck durch Cimpress vor Augen, doch diese war tatsächlich schon Ende 2015/Anfang 2016. 2018 hat Cimpress sich dafür mit Build A Sign in den USA engagiert, CEWE mit Cheerz in Frankreich.

Beyond-print: 2019 herrschte also Flaute im M&A-Markt?

JF: Würde ich nicht sagen. Branchenübergreifend ist das Gesamttransaktionsvolumen mit deutscher Beteiligung in 2019 zwar zurückgegangen, die Anzahl der Deals aber kaum. Das liegt daran, dass es weniger bedeutende Milliardentransaktionen gab, die wir für unsere mittelständisch geprägte Druckbranche aber sowieso kaum erwarten dürften. Und im Mittelstand gab es weiter eine rege Aktivität bei Käufen und Verkäufen von Unternehmen. Auch in der Druckbranche, wobei wir im letzten Jahr die Transaktionen nicht unbedingt bei Onlinedruckereien gesehen haben. 2019 stechen eher Transaktionen wie die Beteiligung der chinesischen Masterwork Group bei der Heidelberger Druckmaschinen AG, der Verkauf des Dekordruck-Spezialisten Interprint an die börsennotierte japanische Toppan Printing Co. oder der Einstieg des Finanzinvestors Triton beim Etiketten- und Foliendruck-Konglomerat All4Labels ins Auge.

Beyond-print: Das heißt Onlinedruck ist abgemeldet im M&A-Markt?

JF: Für mich heißt dies eher, dass auch andere Bereiche stark im Fokus sind, von deutschen und internationalen Strategen wie auch von Finanzinvestoren. Und dazu gehört zweifellos der Verpackungsdruck. Aber auch im Onlinedruck glaube ich, dass die letzten Jahre eher die Ruhe vor dem Sturm waren. Bei den großen Namen auf dem deutschen Online-Markt, bei Cimpress, Flyeralarm, Onlineprinters und CEWE hat man in den letzten zwei Jahren wenig von Akquisitionen gehört, doch daraus sollte man nicht schließen, dass die Marktführer nicht die Augen offen halten. Alle vier wollen weiter wachsen, bei Cimpress und Onlineprinters stehen Finanzinvestoren dahinter, die darauf mindestens so stark setzen wie das Management. Und wir haben gesehen, dass ein überproportionales organisches Wachstum für den Onlinedruck nicht mehr selbstverständlich ist. Wachstum muss also auch durch Akquisitionen erfolgen und dafür können gut aufgestellte Unternehmen ebenso interessant sein wie zusätzliche Kapazitäten bei schwächelnden Marktteilnehmern zu finden oder das eigene Leistungsspektrum auszuweiten. Mit einem kleinen Schritt hat Onlineprinters das Jahr 2020 schon mal eröffnet…

Beyond-print: Sie haben auch internationale Strategen angesprochen. Glauben Sie dass in der Druckbranche stärker über den Tellerrand geblickt werden sollte?

JF: Tatsächlich ist die Quote sogenannter Cross-Border-Transaktionen im Branchenumfeld relativ niedrig. Aber der Anteil von Transaktionen, bei denen ausländische Unternehmen beteiligt sind dürfte auch im Drucksegment bei über 50% liegen. Zukünftig könnte diese Quote weiter steigern. Die Frage ist, welche Rolle deutsche Unternehmen dabei übernehmen werden, denn schon jetzt bilden sich in einigen Nachbarländern von finanzstarken Investoren gestützte Druckereigruppen, die sicherlich den deutschen Markt nicht übersehen werden.

Beyond-print: Internationalisierung ist also ein Treiber des M&A-Geschäftes?

JF: Sicherlich. Internationalisierung ist ein Treiber, genauso aber auch der Wunsch nach Wachstum und eine erforderliche Konsolidierung in einigen Teilbereichen. Dazu darf man nicht vergessen, dass der M&A-Markt seit Jahren stark von einem extrem niedrigen Zinsniveau und einer hohen vorhandenen Liquidität begünstigt wird. Und dies wird sich meines Erachtens auch in den nächsten Jahren kaum verändern.

Beyond-print: Wird das auch steigende Bewertungen mit sich bringen?

JF: Unternehmensbewertungen sind bereits auf einem sehr guten Niveau. In Anbetracht der aktuellen Bedenken bzgl. Weltwirtschaft, Handelsbarrieren und Konjunkturentwicklungen werden Käufer und Investoren in 2020 wohl genauer auf Planzahlen schauen und diese kritischer verifizieren, aber das günstige Zinsniveau und die hohe Liquidität werden weiterhin ihren Beitrag dazu leisten, die Bewertungen zu stützen. Zudem blickt man in der Druckbranche erfreulicherweise häufig nicht auf EBITs bei der Bewertung sondern berücksichtigt die Anlagenintensität der Branche, in dem man über EBITDA-Multiples geht.

Beyond-print: Und mit welchen Multiples darf ich mein Unternehmen dann bewerten?

JF: Die Frage lässt sich nicht einfach beantworten. Branchenübergreifend lagen im letzten Jahr die durchschnittlichen EBITDA-Multiples bei kleineren mittelständischen Unternehmen bei knapp 6-fach. Je größer ein Unternehmen ist, je attraktiver seine Marktposition, je solider seine Entwicklung, desto eher kann man mit höheren Multiples rechnen. In begründeten Einzelfällen kann die Bewertung dabei auch deutlich über diesen Durchschnittswert hinaus klettern. Je schwankungsintensiver das Geschäft, je austauschbarer ein Unternehmen, desto eher muss man sich aber auch mit niedrigeren Multiples zufrieden geben. Aber letztlich ist es zu einfach, nur auf das Multiple zu schauen, vorher stellt sich eher die Aufgabe, sich detailliert mit den eigenen Zahlen auseinanderzusetzen, um herauszuarbeiten, was man eigentlich multipliziert, sprich nachhaltige adjustierte Zahlen des Unternehmens zu ermitteln. Dann kann ich darauf einen angemessenen EBITDA-Multiple in Ansatz bringen. Und auf dieser Basis würde ich jedem Unternehmer nahe legen, gut beraten mit einem strukturierten Prozess gezielt mit mehreren potentiellen Interessenten ins Gespräch zu gehen. Nicht die DCF- oder EBITDA-Formel, sondern ein gut geführter Verkaufsprozess erzeugt eine attraktive Bewertung für ein Unternehmen.

Beyond-print: Das klingt als könnte 2020 ein spannendes Jahr für die Druckbranche werden…

JF: Ich bin sicher, dass 2020 ein spannendes Jahr für die Druckbranche wird. Aus M&A-Sicht stellt sich eher die Frage, ob die deutsche Druckbranche dabei zusieht oder ob sie das Zepter in die Hand nimmt und die Veränderungen im Markt aktiv mitgestaltet.

 

Jens Freyler ist Geschäftsführer M&A der Hamburger Print&Packaging-Spezialisten KNOX. Vor mehr als 20 Jahren hat er – noch im Hause der Deutschen Bank – seine ersten Druckmaschinen finanziert, in den letzten 10 Jahren zahlreiche Unternehmenskäufe und -verkäufe in der Druckbranche realisiert, darunter auch mehrere Cross-Border-Transaktionen.

Sorgenfalten mögen die Schlagzeilen hervorrufen, die man in den letzten zwölf Monaten aus dem M&A-Geschäft vernommen hat. Von einem Einbruch ist im ZEW-Report zu lesen, von skeptischen Aussichten im European M&A Outlook von CMS und Mergermarket. Die gescheiterte Fusion von Deutscher und Commerzbank, die rückläufige Automobilkonjunktur, der Brexit sind Gründe, die genannt werden. Doch wie verhält es sich in der Druckbranche? Darüber sprechen wir mit Jens Freyler, Geschäftsführer M&A der KNOX GmbH.

 

Beyond-print: Herr Freyler, der Druckmarkt ist kein leichter, immer wieder hört man von Verkäufen von Unternehmen, aber auch von Aufgaben und Insolvenzen. Was hat sich dort in letzter Zeit getan?

JF: Die Aufgabe eines Unternehmens oder gar die Insolvenz ist natürlich immer die schlechteste Lösung und ich glaube in vielen Fällen könnte sie vermieden werden, wenn man sich rechtzeitig dem Thema stellt. Vielleicht auch durch einen Verkauf, denn jedes Unternehmen hat Kunden, Aufträge, Mitarbeiter, Know-How und – leider muss man diese heutzutage an letzter Stelle nennen – auch Maschinen, die für andere Marktteilnehmer interessant sein können. Nichtsdestotrotz gab es natürlich auch im letzten Jahr Insolvenzen, während man fast schon etwas weiter zurück blicken muss, wenn man eine Häufung von M&A-Transaktionen sehen will.

Beyond-print: Was heißt weiter zurück?

JF: Das kommt natürlich darauf an. Sprechen wir über Akzidenz oder Beilagendruck, so hat die britische Walstead Group in 2018 die österreichische NP Druck und die polnischen LSC-Standorte übernommen und eine Fortsetzung der Akquisitionsstrategie auch für 2019 angekündigt, wovon wir aber wenig gesehen haben. Auch die Akquisition von Jungfer Druck durch die holländische Druckkerij Em de Jong war schon in 2018. Reden wir über Onlinedruckereien, so haben wir natürlich alle die Akquisition von Wir machen Druck durch Cimpress vor Augen, doch diese war tatsächlich schon Ende 2015/Anfang 2016. 2018 hat Cimpress sich dafür mit Build A Sign in den USA engagiert, CEWE mit Cheerz in Frankreich.

Beyond-print: 2019 herrschte also Flaute im M&A-Markt?

JF: Würde ich nicht sagen. Branchenübergreifend ist das Gesamttransaktionsvolumen mit deutscher Beteiligung in 2019 zwar zurückgegangen, die Anzahl der Deals aber kaum. Das liegt daran, dass es weniger bedeutende Milliardentransaktionen gab, die wir für unsere mittelständisch geprägte Druckbranche aber sowieso kaum erwarten dürften. Und im Mittelstand gab es weiter eine rege Aktivität bei Käufen und Verkäufen von Unternehmen. Auch in der Druckbranche, wobei wir im letzten Jahr die Transaktionen nicht unbedingt bei Onlinedruckereien gesehen haben. 2019 stechen eher Transaktionen wie die Beteiligung der chinesischen Masterwork Group bei der Heidelberger Druckmaschinen AG, der Verkauf des Dekordruck-Spezialisten Interprint an die börsennotierte japanische Toppan Printing Co. oder der Einstieg des Finanzinvestors Triton beim Etiketten- und Foliendruck-Konglomerat All4Labels ins Auge.

Beyond-print: Das heißt Onlinedruck ist abgemeldet im M&A-Markt?

JF: Für mich heißt dies eher, dass auch andere Bereiche stark im Fokus sind, von deutschen und internationalen Strategen wie auch von Finanzinvestoren. Und dazu gehört zweifellos der Verpackungsdruck. Aber auch im Onlinedruck glaube ich, dass die letzten Jahre eher die Ruhe vor dem Sturm waren. Bei den großen Namen auf dem deutschen Online-Markt, bei Cimpress, Flyeralarm, Onlineprinters und CEWE hat man in den letzten zwei Jahren wenig von Akquisitionen gehört, doch daraus sollte man nicht schließen, dass die Marktführer nicht die Augen offen halten. Alle vier wollen weiter wachsen, bei Cimpress und Onlineprinters stehen Finanzinvestoren dahinter, die darauf mindestens so stark setzen wie das Management. Und wir haben gesehen, dass ein überproportionales organisches Wachstum für den Onlinedruck nicht mehr selbstverständlich ist. Wachstum muss also auch durch Akquisitionen erfolgen und dafür können gut aufgestellte Unternehmen ebenso interessant sein wie zusätzliche Kapazitäten bei schwächelnden Marktteilnehmern zu finden oder das eigene Leistungsspektrum auszuweiten. Mit einem kleinen Schritt hat Onlineprinters das Jahr 2020 schon mal eröffnet…

Beyond-print: Sie haben auch internationale Strategen angesprochen. Glauben Sie dass in der Druckbranche stärker über den Tellerrand geblickt werden sollte?

JF: Tatsächlich ist die Quote sogenannter Cross-Border-Transaktionen im Branchenumfeld relativ niedrig. Aber der Anteil von Transaktionen, bei denen ausländische Unternehmen beteiligt sind dürfte auch im Drucksegment bei über 50% liegen. Zukünftig könnte diese Quote weiter steigern. Die Frage ist, welche Rolle deutsche Unternehmen dabei übernehmen werden, denn schon jetzt bilden sich in einigen Nachbarländern von finanzstarken Investoren gestützte Druckereigruppen, die sicherlich den deutschen Markt nicht übersehen werden.

Beyond-print: Internationalisierung ist also ein Treiber des M&A-Geschäftes?

JF: Sicherlich. Internationalisierung ist ein Treiber, genauso aber auch der Wunsch nach Wachstum und eine erforderliche Konsolidierung in einigen Teilbereichen. Dazu darf man nicht vergessen, dass der M&A-Markt seit Jahren stark von einem extrem niedrigen Zinsniveau und einer hohen vorhandenen Liquidität begünstigt wird. Und dies wird sich meines Erachtens auch in den nächsten Jahren kaum verändern.

Beyond-print: Wird das auch steigende Bewertungen mit sich bringen?

JF: Unternehmensbewertungen sind bereits auf einem sehr guten Niveau. In Anbetracht der aktuellen Bedenken bzgl. Weltwirtschaft, Handelsbarrieren und Konjunkturentwicklungen werden Käufer und Investoren in 2020 wohl genauer auf Planzahlen schauen und diese kritischer verifizieren, aber das günstige Zinsniveau und die hohe Liquidität werden weiterhin ihren Beitrag dazu leisten, die Bewertungen zu stützen. Zudem blickt man in der Druckbranche erfreulicherweise häufig nicht auf EBITs bei der Bewertung sondern berücksichtigt die Anlagenintensität der Branche, in dem man über EBITDA-Multiples geht.

Beyond-print: Und mit welchen Multiples darf ich mein Unternehmen dann bewerten?

JF: Die Frage lässt sich nicht einfach beantworten. Branchenübergreifend lagen im letzten Jahr die durchschnittlichen EBITDA-Multiples bei kleineren mittelständischen Unternehmen bei knapp 6-fach. Je größer ein Unternehmen ist, je attraktiver seine Marktposition, je solider seine Entwicklung, desto eher kann man mit höheren Multiples rechnen. In begründeten Einzelfällen kann die Bewertung dabei auch deutlich über diesen Durchschnittswert hinaus klettern. Je schwankungsintensiver das Geschäft, je austauschbarer ein Unternehmen, desto eher muss man sich aber auch mit niedrigeren Multiples zufrieden geben. Aber letztlich ist es zu einfach, nur auf das Multiple zu schauen, vorher stellt sich eher die Aufgabe, sich detailliert mit den eigenen Zahlen auseinanderzusetzen, um herauszuarbeiten, was man eigentlich multipliziert, sprich nachhaltige adjustierte Zahlen des Unternehmens zu ermitteln. Dann kann ich darauf einen angemessenen EBITDA-Multiple in Ansatz bringen. Und auf dieser Basis würde ich jedem Unternehmer nahe legen, gut beraten mit einem strukturierten Prozess gezielt mit mehreren potentiellen Interessenten ins Gespräch zu gehen. Nicht die DCF- oder EBITDA-Formel, sondern ein gut geführter Verkaufsprozess erzeugt eine attraktive Bewertung für ein Unternehmen.

Beyond-print: Das klingt als könnte 2020 ein spannendes Jahr für die Druckbranche werden…

JF: Ich bin sicher, dass 2020 ein spannendes Jahr für die Druckbranche wird. Aus M&A-Sicht stellt sich eher die Frage, ob die deutsche Druckbranche dabei zusieht oder ob sie das Zepter in die Hand nimmt und die Veränderungen im Markt aktiv mitgestaltet.

 

Jens Freyler ist Geschäftsführer M&A der Hamburger Print&Packaging-Spezialisten KNOX. Vor mehr als 20 Jahren hat er – noch im Hause der Deutschen Bank – seine ersten Druckmaschinen finanziert, in den letzten 10 Jahren zahlreiche Unternehmenskäufe und -verkäufe in der Druckbranche realisiert, darunter auch mehrere Cross-Border-Transaktionen.

Quelle/Originalartikel: Beyond-print